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Reitersmann kontra Radfahrer

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 BeitragVerfasst: Mo 12. Sep 2016, 16:20   
Jockey

Registriert: Mi 4. Dez 2013, 13:10
Beiträge: 13
Hallochen,

auch innerhalb der Galopperszene gab es recht kuriose Kräftemessen zwischen Männern hoch zu Ross und Herren auf „Drahteseln“, wovon drei Beispiele künden.

Mit freundlichem Gruß
Gerd von Ende


München, 15., 17. und 19. August 1894
„München hatte in der jüngsten Zeit das interessante Schauspiel eines Wettkampfes zwischen einem Radfahrer und einem Reiter gehabt. Der Reiter G. F. Cody aus Texas, ein Sohn des bekannten Buffalo Bill, und der Dauer-Radfahrer Fischer aus München, der „Altsieger“, kämpften in einem siebenstündigen Rennen den Wettkampf derart aus, daß am 15. August zwei, am 17. August zwei und am 19. August drei Stunden lang gefahren, beziehungsweise geritten wurde. Zu diesem Schauspiel – so meldet ein Berichterstatter – hatte sich am ersten Tage eine kolossale Menschenmenge auf dem Rennplatz des Münchener Velocipedclubs eingefunden.

Nach einer Stunde hatte Fischer 78, Cody 69 Runden; nach Ablauf der festgesetzten zwei Stunden Fischer 151 und Cody 139 zurückgelegt. Die Bahnlänge (Runde) betrug für den Radfahrer 500 Meter, für den Reiter 494 Meter. Es hatte somit Fischer in zwei Stunden 75 1/2, Cody 68 Kilometer 666 Meter zurückgelegt. Cody, der während des Rennens von seinen zehn Pferden sechs benutzte, bewies sich als ausgezeichneter Reiter. Bewundernswert war sein Ab- und Aufsprung beim Wechsel der Pferde, was in etwa vier Sekunden vor sich ging; jedoch verlor er dadurch jedesmal etwa 60 Meter, woran insbesondere seine Bedienung Schuld trug.

Am 19. August wurde der Match Cody-Fischer zu Ende geführt. Fischer schlug Cody um 25 Kilometer 984 Meter, die beiden Vortage mit eingerechnet in siebenstündigem Rennen um 49 Kilometer 538 Meter. Das Ergebnis des Kampfes war […] bereits nach dem Rennen des zweiten Tages, nachdem Fischer vor Cody bereits einen Vorsprung von 23 Kilometer 554 gewonnen, vorauszusehen, aber gleichwohl wurde ein solcher Vorsprung nicht erwartet. Dies hatte zumeist darin seinen Grund, daß die Lage für beide Rivalen nicht die gleiche war, Die Velocipedbahn, die Fischer fuhr, ist eigens für Radwettfahrten hergestellt, während die Reitbahn an der Innenseite sich für ein Pferderennen überhaupt nicht eignete. Die Kurven waren zu kurz und auch die Längsseite zu wenig lang, als daß Cody seine Pferde Pferde so recht hätte ausgreifen lassen können. Wenn dies aber gleichwohl ein paarmal geschah, so überholte der Reiter den Radfahrer, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß Cody in einer besseren Bahn bei gutem Pferdematerial auch den besten Dauerfahrer besiegt hätte, wie er auch in Paris, Pest und anderen Orteb die besten Straßenfahrer schlug. […] Ob Fischer durch diese Kraftproben von Wettrennen seine Gesundheit nicht zu Grunde richtete? Die Bezahlung für die sieben Rennstunden, in denen er sich mit Cody maß, soll nur 350 Mark (für die Stunde 50 Mark) betragen. Den Hauptnutzen solcher Wettrennen zieht natürlich der Fahrradfabrikant ein, dessen Räder durch Fischers Leistungen Weltruf erhalten.“
(Aus „Ueber Land und Meer. Deutsche Illustrirte Zeitung Nr. 49. 1894. Seite 1005)

Siehe auch WIKIPEDIA unter Josef Fischer (Radsportler)

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Pretoria, um 1899
Ein Reiter zu Pferd und ein Radfahrer stehen Seit an Seit. Ein paar letzte Handgriffe – und beide sind bereit für ein seltsames Wettrennen. Es gilt zu beweisen, welches Fortbewegungsmittel schneller ist: das Pferd oder das Fahrrad? Die Strecke, die vor den beiden Kontrahenten liegt, ist 75 staubige und bucklige Kilometer lang, führt von Pretoria, der Hauptstadt des Burenfreistaats Transvaal, zur Brücke über den Crocodile River. So sonderbar alles anmutet, der Hintergrund der Veranstaltung ist ein ernster: Denn der Zweite Burenkrieg wirft bereits seine Schatten voraus. Es gilt die Burengeneräle davon zu überzeugen, zu Aufklärungszwecken ein Fahrradkorps aufzustellen, damit man die Pferde für den Kampfeinsatz schonen kann. Auf dem Rad sitzt kein Geringerer als Jacobus Petrus Jooste, von Freunden mitunter `Koos Bicycle` genannt. Er ist als ausgezeichneter Pedalritter bekannt. So bewältigte er 1893 per Fahrrad als Erster die rund 1500 Kilometer lange Strecke von Pretoria nach Kapstadt in gerade einmal elf Tagen. Dass er dabei seine platten Reifen schon mal mit Gras stopfen oder in Ermangelung von Brücken mitunter auch Flüsse schwimmend überqueren musste, war Teil der selbst gewählten Herausforderung. Nach erneuter Bewältigung 1898 wurde er vom Staatssekretär des Transvaal-Freistaats, Francis William Reitz, mit einer Gedenkmedaille geehrt. […]

Doch nun zurück zum Wettkampf zwischen Pferd und Rad. Ein Pferd müsse schlafen und fressen, während ein Fahrrad nur Öl und eine Pumpe benötige; dann wäre es unmittelbar einsatzbereit, stellt Jooste im Vorfeld des Wettrennens im Gespräch mit Präsident Paulus „Ohm“ Krüger (1825 bis 1904) und General Piet Joubert die Vorzüge des Drahtesels heraus. Der trotzdem nicht überzeugte General scherzt, dass ein Rad zumindest nicht beiße oder träte. Schließlich schlägt Jooste besagten direkten Vergleich vor. Und Jooste gewinnt. Umgehend wird ein Fahrradkorps aufgestellt.

Jooste ist am 18. Oktober 1868 in Worcester als Sohn einer Farmerfamilie mit niederländisch-deutschen Wurzeln zur Welt gekommen. […] Denn Jooste ist nicht nur ein Bure, also im weitesten Sinne ein Südafrikaner europäischer Abstammung, sondern er hat auch als Milizführer im Zweiten Burenkrieg von 1899 bis 1902 gegen das Britische Empire gekämpft. […] 1927 heiratet er seine zehneinhalb Jahre jüngere Frau Selma in Oldenburg. Seinen Lebensabend verbringt das Ehepaar in Angermünde unweit Berlins, ehe Jacobus Petrus Jooste am 13. November 1945, knapp einen Monat nach seinem 77. Geburtstag,+ an einer Lungenentzündung stirbt.“
(Aus „Mainpost“, „Der rastlose Reiter“, Königsberg, 8. September 2011)


„Die Zustimmung zum Aufbau eines `Wielrijders Rapportgangers Corps` wurde nach einem Rennen von Pretoria bis an die Krokodil-Flussbrücke, eine Entfernung von 46 Meilen (75 km), zwischen dem Meisterradfahrer Koos Jooste und einem Martiens zu Pferd gegeben, das Jooste gewann. […] Nach der Gründung bestand das Korps aus 108 Männern und wurde in sieben Abteilungen unterteilt. […] Jeder Mann wurde mit einem Rad, kurzen Hosen, einem Revolver und wo notwendig, mit einem leichten Karabiner versorgt.“
(Nach Eckhard Walther, Verein für Heimatkunde Angermünde e.V.)

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Strausberg-Vorstadt, 24. Juni 1902
„Ein großes Wettrennen der besonderen Art ging am 24. Juni über die Turfbühne, denn der Köpenicker Radrennfahrer Jokisch forderte die Reiter Henze und Rahn auf ihren Vierbeinern heraus. Vor einem ansehnlichen Publikum musste eine 200-Meter-Strecke 75 Mal bezwungen werden, wobei sich bald die Überlegenheit des Radlers abzeichnete. Natürlich auch profitierend vom festeren Untergrund, wogegen die Pferde – unter ihnen ein zwölfjähriger Ulanen-Fuchs aus Fürstenwalde – etliche sandige Passagen zu meistern hatten.“
(Aus „Hufspuren auf dem Quast“, Strausberg 2015)


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 BeitragVerfasst: Mo 12. Sep 2016, 16:28   
Rennleitung
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Registriert: Mo 1. Nov 2010, 11:09
Beiträge: 1728
gelsentrab nacht des pferdes
1994 oder 1995

peter poen gegen radler gewonnen


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 BeitragVerfasst: Mo 12. Sep 2016, 17:09   
Rennleitung

Registriert: Fr 19. Nov 2010, 21:54
Beiträge: 7998
Wohnort: münchen
und wo findet man da jetzt die "galopperszene" ?


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 BeitragVerfasst: Mo 12. Sep 2016, 18:23   
Rennleitung
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Registriert: Mo 18. Apr 2011, 10:13
Beiträge: 406
Vielen Dank für diese interessanten wie amüsanten Berichte über diese Vergleiche... :P


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