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Berliner (Privat-)Rennen 1797

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 BeitragVerfasst: Fr 22. Jul 2016, 10:30   
Jockey

Registriert: Mi 4. Dez 2013, 13:10
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Berliner (Privat-)Rennen 1797

- Politisches Journal (Jahrgang 1797. Erster Band. Erstes bis Sechstes Monats-Stück), Hamburg 1797

Vor kurzem ist hier ein Wettrennen, ganz in dem Geschmacke der Engländer, gehalten worden. Es geschahen viele große Wetten dabey. Der größte Theil des Hofes, und der vornehmen Welt war dabey gegenwärtig. Der Wettlauf mit zweyen Englischen Pferden geschahe von Charlottenburg bis Berlin in den dahin führenden graden Alleen des Thiergartens. Ein Herr von Lancken aus dem Becklenburgschen gewann den Sieg.
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- Ludwig Achim von Arnim. Briefwechsel 1788-1801. Heinz Härtl, Max Niemeyer Verlag Tübingen 2000

Den 1sten Mai bestanden der Rittmeister von Schack und der Herr von Lanken ein Wettrennen allhier. Der Herr von Lanken ritt selbst, der Herr von Schack aber ließ einen Jockey, einen gebohrnen Engländer reiten. Die Entfernung vom Anfang des Wettrennens betrug 2907 gewöhnlichen Schritt von dem Anfange der Charlottenburger Allee an, da, wo der Weg von der Fasanerie in die große Charlottenburger Straße biegt, bis zu Ende der Barrieren von Berlin aus. Auf ein Signal mit der Trommel legten beide Pferde los. Der Herr von Lanken kam um etwa 10 Schritt früher zum Ziel als der Jockey und gewann so 150 Friedrichsd´or vom Herrn Rittmeister, und noch mehrere von andern, so daß sich sein ganzer Gewinnst auf 360 Friedrichsd´or belaufen haben soll. Er erhielt wegen seiner Gelassenheit und seines fertigen Reitens allgemeinen Beifall, und ward, wie im Triumph, nach seinem Logis begleitet. Nehme ich nun die abgemessenen Schritte im Durchschnitt zu zwei Fuß und etwas drüber an, so beträgt der ganze Weg, den sie zurücklegten, etwa 6000 Fuß. Da sie nun hierzu 2 Minuten 58 Sekunden brauchten, so war die Geschwindigkeit des Pferdes in der Sekunde etwa 34 Fuß gleich. Diese Geschwindigkeit ist um so mehr zu bewundern, da das Pferd des Herrn Rittmeisters Ueberbeine, das des Herrn von Lanken aber den Spath, beide folglich Hauptfehler haben, und da die Pferde nicht ungestört wettrennen konnten, sondern ring um von Rossen und Menschen umgeben waren.
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von Schack: Otto Friedrich Ludwig von Schack (1763-1815), 1777 Fahnenjunker, 1796 zum Rittmeister, 1803 zum Major im Regiment Gensd´armes avanciert, durch seinen Leichtsinn bekanntes Mitglied einer frondierenden Offiziersgruppe um den Prinzen Louis Ferdinand; Urbild der Titelfigur in Fontanes "Schach von Wuthenow" (1882). Vgl. Pierre-Paul Sagave. Theodor Fontane: Schach von Wuthenow. Vollständiger Text der Erzählung. Dokumentation. Frankfurt/M.-Berlin 1966). Er war der eleganteste unter den damaligen Gendarmenoffizieren (Vor Hundert Jahren. Erinnerungen der Gräfin Sophie Schwerin geb. Gräfin von Dönhoff. Nach ihren hinterlassenen Papieren zusammengestellt von ihrer jüngeren Schwester Amalie von Romberg. Berlin 1909. S. 24).
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- Deutsche Rundschau, Bände 199-200, Gebrüder Paetel Berlin 1924, S. 174
(Zu Herrn von Schack)
„… Tollheiten, für die das Regiment Gensdarmes bekannt war, eine Rolle, geriet durch seinen Leichtsinn in Schulden und mußte seine ererbten Güter eins nach dem andern verkaufen. Einen Namen hat er sich noch dadurch gemacht, daß er als erster im Jahre 1797 in Berlin ein Pferderennen veranstaltete.“


- Siehe auch WIKIPEDIA.htm Otto Friedrich Ludwig von Schack

u.a.:
Leichtes Leben in Berlin
Nach dem Tod von Friedrich II. wurde Friedrich Wilhelm II. König von Preußen. Dieser wollte das Leben in vollen Zügen genießen. Auch das Garderegiment Gens d'armes wollte hier nicht nachstehen. So war Schack ein Frauenheld und bei vielen Hof- und anderen Festlichkeiten zu finden. Zudem war er begeisterter Pferdezüchter, auch ein kostspieliges Vergnügen. Bekannt wurde besonders ein Rennen vom 6. Mai 1797. Ein Pferd aus dem Reitstall des Herrn von Schack und eines des Mecklenburger Gutsbesitzers von der Lancken machten ein Rennen von Berlin nach Charlottenburg. Das Pferd des Herrn Lancken gewann mit 30 Schritten Vorsprung. Zahllose Berliner säumten die Straße, und Unsummen sollen damals verwettet worden sein. Schack war zwar Erbe eines reichen Vaters, aber seine Ausgaben überstiegen seine Einnahmen, und so wollte er bereits 1796 das Gut Kloxin wegen der Schulden verkaufen. Das misslang, aber am 26. Juni 1797 kaufte es der Generalmajor George Ferdinand von Damm für 61.000 Taler. Bereits am 6. Juli 1799 verkaufte er das Hauptgut Prillwitz an den Geheimen Finanzrat August Heinrich von Borgstede für 170.000 Taler. Zum Schluss muss ihm auch dieses Geld ausgegangen sein. Um seine Finanznöte zu beheben, wollte er die wohlhabende und gebildete, jedoch unansehnliche Victoire von Crayen, Tochter der berühmten Berliner Salonière Henriette von Crayen, heiraten. Schack erschoss sich aber vor der Hochzeit, da er fürchtete, zum Gespött seiner Kameraden zu werden.

Dass er auch literarisch interessiert war, zeigen zwei Vorfälle: Im Dezember 1808 vermittelte er das Stück „Käthchen von Heilbronn“ dem Berliner Theater[1], es stammt aus der Felder des bekannten Heinrich von Kleist. Auch dessen Ode „An Friedrich Wilhelm den Dritten“ im Jahr 1809. Nachdem es bereits von der Zensur abgelehnt worden war, wendete sich der Hofbuchdrucker Decker an Schack, der sich an den Mann seiner Schwester wendete, den Minister für auswärtige Angelegenheiten August Friedrich Ferdinand Graf von der Goltz, was aber auch nicht half.[2]


Bin natürlich weiter auf der Suche, vor allem um die Person des Herrn von der Lancken zu "entschlüsseln", bei dem es sich um einen Gutsherren aus Mecklenburg gehandelt haben muss. Weil in keiner zeitgemäßen Veröffentlichtung ein Dienstgrad oder eine Regimentszugehörigkeit genannt wurde, dürfte dieser Adlige um 1797 bereits Reservist sein oder hatte nie gedient.


MifG

GvE


Zuletzt geändert von Jena69000 am Di 13. Dez 2016, 17:35, insgesamt 8-mal geändert.

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 BeitragVerfasst: Fr 22. Jul 2016, 21:22   
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Weiter so:-)


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 BeitragVerfasst: Fr 22. Jul 2016, 22:19   
Rennleitung
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Registriert: Mo 18. Apr 2011, 10:13
Beiträge: 406
Finde die historischen Beiträge auch immer sehr interessant, danke dafür. :P


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