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Hippologische Revue

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 BeitragVerfasst: Fr 19. Feb 2016, 07:48   
Jockey

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Die 'Hippologische Revue' war eine Zeitschrift, die sich mit allen Gebieten der Pferdekunde beschäftigte, wissenschaftlichen Erkenntnissen über das Pferd allgemein ebenso wie mit Zucht und Haltung verschiedener Rassen. Natürlich fehlten auch nicht die sportlichen Aspekte mit geschichtlichem und zeitgenössischem Bezug. Die Hippologische Revue erschien erstmals 1888 und führte allerdings nur ein kurzlebiges Dasein. Herausgegeben wurde sie von dem bekannten Pferdefachmann Graf Carl Gustav Wrangel, der zur Hauptsache in Schweden wirkte.
Uns sollen an dieser Stelle insbesondere die Einlassungen zum Galopprennsport interessieren. So z. B. ein Bericht über die Verhandlungen der Kommission der preußischen Landespferdezucht von C. M. Stoeckel. Dieses Gremium, bestehend aus Beamten der Gestütsverwaltung und des landwirtschaftlichen Ministeriums, des Kriegsministeriums, des Obermarstalls sowie aus Delegierten der sämtlichen preußischen landwirtschaftlichen Zentralvereine, welche von den Vereinen selbst gewählt werden, und ferner auch aus vom Minister für landwirtschaftliche Domänen und Forsten berufenen Sachverständigen, trat 1875 zu einer ersten Runde zusammen. Damals "bestanden in Preußen die königlichen Hauptgestüte Trakehnen, das Friedrich Wilhelm-Gestüt zu Neustadt-Dosse und Graditz. In letztgenanntem hatte man neben der Halbblutzucht in Graditz selbst ein Vollblutgestüt errichtet, über dessen Notwendigkeit im Interesse der Landespferdezucht und über die Art und Weise der Prüfung des dort gezogenen Vollblutes auf den Bahnen die Meinungen weit auseinander gingen. Die preußische Landespferdezucht war im Jahre 1874 seitens des Staates in recht bedeutendem Umfange durch die Aufstellung von 1571 Landbeschälern in 12 Landesgestütsställen gefördert und waren in demselben Jahre von diesen Hengsten 83479 Stuten gedeckt worden. 1886 bestanden 16 Landgestüte mit 2290 Beschälern, von welchen in demselbem Jahre 116839 Stuten gedeckt waren." (S.337). Dieser Fortschritt wurde im wesentlichen durch ein von der ersten Kommission festgelegtes Prämierungssystem, das die landwirtschaftlichen Zentralvereine durchzuführen angewiesen waren, erreicht. Eine weitere Maßregel durch die Kommission war die Verlegung des Friedrich Wilhelm-Gestüts nach Beberbeck. Diese Fachrunde sprach sich auch schon mit überwiegender Mehrheit für die Notwendigkeit der Rennen zur Prüfung für Vollblut und die Notwendigkeit der Vollblutzucht für die Halbblutzucht aus.
Die Verhandlungen der II.Kommission 1881 waren von einschneidender Bedeutung für das Weiterbestehen der in Graditz aufblühenden Vollblutzucht. "Die steigenden Erfolge der Graditzer Pferde auf den Bahnen erzeugten große Erbitterung in den heimischen Sportkreisen, welche in dem (..) Antrage gipfelte, die Graditzer Pferde von allen Rennen auszuschließen und alle Graditzer Vollblutfohlen als Jährlinge in öffentlicher Auktion zu verkaufen. Diese Idee fand damals in fachmännischen Kreisen aller Zuchtrichtungen so großen Anklang, dass sich in der II.Kommission 15 Stimmen fanden, welche sich für den Verkauf sämtlicher Hengstfohlen und eines Teils der Stutfohlen der Graditzer Vollblutzucht aussprachen." (S.338) - (wird fortgesetzt)


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 BeitragVerfasst: Sa 20. Feb 2016, 07:21   
Jockey

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Die Beschwerden gingen zu einer Zeit ein, als die Einkünfte des Rennstalls Graditz sich im Gewinndurchschnitt noch weit unter 100000 Mark im Jahr bewegten. Der Sprung in die 6-Stelligkeit kam erst 1883, als sich die Verwaltung die Verpflichtung eines renommierten Trainers (Richard Waugh) leistete. Die Anhebung von Rennpreisen spielte allerdings auch mit. Den Klagen wurde jedoch insofern Rechnung getragen wie Graditz sich stets von einem Teil seiner Galopper trennte, gleichwohl es auch seine besten behielt, und auch dafür sorgte, dass der Kreislauf in der Zucht aufrecht erhalten blieb
Bei der Sitzung der III.Kommission im April 1888 fand der Antrag von Herrn Pogge, der auf dem mecklenburgischen Gut Bartenhagen seine zog, und die "Ausschließung der Graditzer Pferde im fiskalischen Besitz für die Bahnen Mecklenburgs" forderte, jedenfalls kein Gehör mehr. (vgl. Artikel "Noch ein Wort über die Konkurrenz des Fiskus auf der Rennbahn" von 'ad rem', HR S.263). Die III.Kommission erfüllte in erster Linie ihre Aufgabe zur Harmonisierung des Zuchtwesens. Die Pflege einer edlen Halbblutzucht, die nur durch Hebung der Vollblutzucht zu erreichen war, blieb unbestritten mit Erfolg verfolgtes Ziel der Kommissionsarbeit. Die Straffung und Zentralisierung, insbesondere klares Regelwerk im Rennbetrieb ließ allerdings in manchen Fällen zu wünschen übrig. Ein Beispiel dafür soll demnächst folgen.


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 BeitragVerfasst: Di 23. Feb 2016, 07:17   
Jockey

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In einem Beitrag, betitelt 'Das große Hamburger Jagdrennen von 1887 und seine Folgen', schildert 'ad rem' das Geschehnis und deckt Schwächen im Rennreglement auf:
"Am 27.Juni 1887, dem dritten Renntage des Hamburger Meetings, gingen im großen Hamburger Jagd-Rennen über 5600 Meter drei im Hindernis-Felde erfolgreiche Pferde zum Start und versprachen daher den von Freunden des Sports und vom Hamburger Renn-Klub gegebenen Preis in einem interessanten Rennen zu bestreiten. (...) Schlenderhan mit 70 Kilo unter R. Johnson, (..) Vagrant mit 76 Kilo unter W. Smith und (..) Tartaruga unter Sear mit 74 Kilo. Alle drei Reiter hatte die Instruktion erhalten auf 'Warten' zu reiten. Sear, welcher den vermutlichen Sieger ritt, erhielt diese Instruktion, weil Tartaruga nur sicher und willig sprang wenn er sich führen ließ. Die beiden anderen Reiter erhielten dieselbe Instruktion, weil die Überlegenheit Tartarugas bekannt war, letzterer aber am einfachsten unschädlich zu machen war, wenn er zum Refüsiren veranlasst werden konnte.
Nach dem Fall der Flagge gingen die Pferde im Schritt ab und blieben stehen. Allgemein glaubte man noch nicht an eine Clowns-Vorstellung, sondern an falschen Start, dies war jedoch ein Irrtum. Nachdem dies Halten etwa 5 Minuten gedauert hatte, wurde die erste Hürde fast aus dem Halt genommen und im Schritt dieses äußerst schneidige Rennen fortgesetzt, teils wieder gehalten, das eine oder andere Pferd gewendet, zurückgenommen etc. etc.(..) Als die Jockeys die Tribüne passirt hatten, blieben sie unmittelbar hinter demselben halten, worauf Johnson, der Reiter des nachherigen Siegers, ein gefülltes Glas aufs Pferd nahm, welches aber, wie die Untersuchung nachher ergab, nicht getrunken wurde. Es ging nun im Schritt bis zur Steinmauer, welche Tartaruga hartnäckig refüsirte.
Der Zweck der Übung war erreicht, der gefährlichste Gegner durch Warten geschlagen und unser Rennwesen um ein Beträchtliches geschädigt.
Schlenderhan nahm nun, 1600 Meter vom Ziel, das Rennen auf und schlug Vagrant um 2 Längen. Leider fehlte eine Zeitmessung, um den Unfug in sachgemäßer Weise der Statistik überliefern zu können. Der Besitzer des zweiten Pferdes legte Protest gegen den Reiter des Siegers ein, weil derselbe ein Glas Bier getrunken habe etc. Der Protest wurde als unbegründet zurückgewiesen, da eine verbotene Gewichtsverschiebung durch den Vorgang nicht konstatirt werden konnte und Mitglieder des Schiedsgerichts auch durch das Fernglas deutlich gesehen hatten, dass der Inhalt des Glases auf die Erde gegossen wurde.
§ 73 des Rennreglements sagt, es sollen nur solche unerlaubten Handlungen während des Rennens mit Disqualifikation bestraft werden, welche geeignet sind, andere Pferde in ihrer Gewinnchance zu beeinträchtigen." Das anderweitige Verhalten der Teilnehmer wurde jedoch nicht beanstandet und die Preise an die Besitzer der beiden durchs Ziel gegangenen 'Schrittmacher' ausgezahlt.
Der Verfasser plädiert im folgenden für die Einführung von Zeitmessungen und Maximalzeiten, um diese Regellücke zu schließen und Skandale wie den vorgeführten künftig zu vermeiden.


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 BeitragVerfasst: Di 23. Feb 2016, 08:40   
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nette comedy

heutztage brauchts illegal wilde rennen um die presse zu animieren :lol: :lol:


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 BeitragVerfasst: Di 23. Feb 2016, 09:33   
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Interessanter Bericht aus HH.

Was die Graditzer betrifft, so gab es diverse Sperren für Pferde aus Graditz. Z. B. durften Sie nicht in Rennen starten, bei denen die Dotierung einen Wert X unterschritt. X war auch gestaffelt nach Alter. Einer der Wortführer, der diese Regel durchgesetzt hatte, war damals der Schlenderhander Gestütsherr Baron v. Oppenheim.

Dann gab es die Graditzer Gestütspreise. Bei diesen Rennen wurde entweder der vollständige Rennpreis oder eine Rennpreiserhöhung aus den Renngewinnen der Graditzer Pferde bestritten. Damit kamen die Graditzer Gewinne zu einem Großteil wieder dem Rennsport zugute.

Und alle Kritikern der Rennsport-Aktivitäten sollten mal an die vielen Zuschüsse denken, die der Rennsport vom Staat, teilweise aus den Ministerien und zu einem größeren Teil aus der Fürstenschatulle erhielt. Da wirken die Graditzer Gewinne manchmal sehr bescheiden.

Nur als Beispiel. Die Badenia in Mannheim zahlte 69.000 Mark. Manheim hatte ca. 5 oder 6 Renntage. Das war nur durch eine großzügige Gabe des Markgrafen von Baden zu finanzieren. Der Große Preis von Baden zahlte übrigens im gleichen Jahr 11.000 Mark mehr.

Wiesbaden, Gotha, Mannheim, Stuttgart waren ganz wesentlich auf die Zuwendungen aus dem Fürstenhaus angewiesen, die Berliner Bahnen bekamen Ministerialzuwendungen etc. Die Finanzierung lief jedenfalls nicht komplett über den Toto. Icuh habe zwar für die damalige Zeit keine Statistiken, aber die in den diversen Zeitungsberichten genannten Toto-Umsätze waren mit Sicherheit nicht ausreichend, das damals ehr hohe Rennpreisniveau zu finanzieren.

v. Blücher


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 BeitragVerfasst: Di 23. Feb 2016, 09:52   
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auf eigenen beinen gings noch nie


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 BeitragVerfasst: Mi 24. Feb 2016, 16:47   
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Herrliche Nummer mit dem Jagd"rennen" der drei Pferde. :lol: Und ich dachte, nur in Frankreich werden die Rennen so verschleppt. :lol:

Danke für Einstellen der Anekdote.


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 BeitragVerfasst: Mi 24. Feb 2016, 22:35   
Jockey

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Die Zitate aus dem Bericht über das Hamburger Jagdrennen stammten aus der Hipplogischen Revue 1888 S.357f.
Die Meinung, der Fiskus übervorteile die privaten Züchter und Rennställe, wurde in der Hippologischen Revue recht hartnäckig vertreten und richtete sich in erster Reihe gegen den Graditzer Rennstall und seine nicht adäquat rückgeführten Gewinne. Dies kommt auch in der einer Betrachtung über den Stand der deutschen Vollblutzucht angesichts verheerender Niederlagen in Rennprüfungen vornehmlich gegen österreich-ungarische Konkurrenz zum Ausdruck:
"Wir glauben, dass die deutsche Vollblutzucht an folgenden Übeln krankt:1) Ungünstiges Klima(..bringt es mit sich, nicht..) der jungen Aufzucht im Winter und zeitigen Frühjahr die stählende ausdauernde Bewegung im Freien zu verschaffen; 2) mangelhafte Aufzucht, indem die deutschen Vollblutzüchter zu viel mit Gras füttern, (..auf ungeeignetem Boden, dem(..) so überaus wichtige Kalkbestandteile fehlen; 3) Mangel an erfolgreichen Vaterpferden; 4) ungenügende Benutzung des vorhandenen, erwiesen wertvollen Zuchtmaterials; 5) die Konkurrenz des fiskalischen Stalles, welche auf die Privatzucht ungefähr dieselbe Wirkung ausübt, wie eine enggezogene Festungsmauer auf die Entwicklung einer nach Raum, Licht und Luft lechzenden Stadt; 6) schlechte Trainirbahnen; 7) Zersplitterung der verfügbaren Mittel auf eine unverhältnismnäßig große Anzahl kleiner Bahnen; 8) die Thatsache, dass es Deutschland, verglichen mit dem südlichen Nachbar, an Züchtern fehlt, die über das nötige Kapital verfügen."(HR, S.497)
Die Punkte 3, 4, 6 und 8 zumindest konnten in späteren Einschätzungen bis zum 1.Weltkrieg hin als verbessert gelten.


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 BeitragVerfasst: Do 25. Feb 2016, 10:01   
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Beiträge: 4947
Wohnort: Rheinprovinz/Preußen
The_Man hat geschrieben:
auf eigenen beinen gings noch nie


Das kann man so nicht sagen. Der Rennsport hatte damals im Vergleich zu den allgemeinen Kosten ein sehr hohes Preisniveau und der Toto hat noch nicht die Bedeutung, die er später bekam. Ein Teil der Zuwendungen an den Sport lief über Landwirtschaft, die Pferdezucht war damals ein sehr wichtiger Wirtschaftsfaktor und ein Teil kam aus dem Wehr-Etat. Das Kriegsministerium (das hieß damals so) hatte erstens Interesse an zähen und ausdauernden Pferden, die auf der Rennbahn geprüft waren und an Offizieren, die im Rennen Mut bewiesen hatten. Man sagte etwas vereinfacht, daß ein Reiter der im Pulk im Renntempo gegen große Sprünge reitet, auch eine Einheit gegen feindliches Feuer nach vorne führen würde....

Und sowieso hatte der Rennsport eine hohes gesellschaftliches Standing. Pferderennen waren beim Volk sehr beliebt. Fußball war damals eine Randsportart!!!

v. Blücher


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 BeitragVerfasst: Do 25. Feb 2016, 21:46   
Jockey

Registriert: Sa 18. Jul 2015, 06:17
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Wie stark der Pferderennsport in der Öffentlichkeit damals wahrgenommen wurde, lässt sich auch anhand der zahlreichen Veröffentlichungen zu diesem Gebiet ablesen. C. G. Wrangel lässt sich in dem Artikel 'Einiges über die hippologische Fachpresse', erschienen in Hippologische Revue 1888, S.578ff insbesondere über die Periodika aus. Zahlen und Titel nennt er leider nicht, teilt aber mit, dass es v.a. Blätter für das wettende Publikum gegeben hat, weil "heute schon jede Köchin in Rennen wettet". Die zweite Art waren Zeitschriften, die ein 'vielseitiges' Programm boten, "viel Rennsport,(..) etwas Zucht und (..) möglichst zahlreiche Inserate." Diese waren übrigens auch in den frühen Rennsportalben üppig vertreten und richteten sich mit ihrem Angebot an eine bestens betuchte Kundschaft. Als dritte Kategorie der periodischen Fachpresse teilt Wrangel jene Wochenschriften ein, "welche ihr Hauptaugenmerk den hippologischen Interessen zuwenden. Die meisten dieser Blätter sind Organe irgend eines Zuchtvereines," deren Schwäche jedoch darin liegt, dass "ihrer Verbreitung bestimmte Grenzen gezogen sind und ihr Inhalt dem Fassungsvermögen bäuerlicher Züchter angepasst werden muss."


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 BeitragVerfasst: Sa 27. Feb 2016, 07:34   
Jockey

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Wir erfahren in der Hippologischen Revue auch, dass der Gebrauch von Rennstallfarben erstmals nachweisbar durch die Buchführung für die Hofhaltung des englischen Königs Heinrich VIII 1530 ist. Dort wurden Kosten für "verschiedene Jockeykostüme, bestehend aus seidenen Jacken und Sammetkappen genau angegeben." Ein Gemälde stellt "mehrere in leicht voneinander zu unterscheidenden, farbigen Dresses gekleidete Jockeys dar" erstmalig auch bildlich dar. "Das Rennen, welches auf diesem merkwürdigen Bilde verewigt worden ist, dürfte im Jahre 1617 in der Nähe von Leasowe Castle stattgefunden haben." Aber erst 1762 beschloss der Jockey-Club, die Farben für Besitzer einzutragen. In einer von 18 Rennstallbesitzern unterzeichneten Erklärung wurde bekannt gegeben, "dass dieselben sich 'der besseren Übersicht wegen' entschlossen haben, (..) näher bezeichnete Farben anzunehmen." (HR 1888, S. 427f).
Zur Vollblutzucht findet sich außerdem ein interessanter Vergleich der Decktaxen. Während sie auf der britischen Insel 100 Guineas und höher lagen, konnten die Sprünge von Beschälern, die nach Deutschland verkauft worden waren,von hiesigen Stutenbesitzern für geringes Entgelt in Anspruch genommen werden. So deckten Saint Gatien, angekauft für 14000 Pfund, und Kisber, die immerhin das Epsom Derby gewonnen hatten, und Fulmen, Sieger im Lincolnshire Handicap, sowie Chamant, Erster im Middle Park Plate, für umgerechnet 15 englische Pfund. Noch billiger waren der "schöne, aber bösartige Whitefriars", dessen Dienste für 2 Pfund, 10 Shilling, oder der von Graf Lehndorff erworbene und in Gestüt Beberbeck bei Hofgeismar aufgestellte Mephisto für 5 Pfund zu haben waren. Prince, obwohl er als Winter-Favorit zum englischen Derby für rund 10000 Pfund verkauft worden war, wurde sogar zum Spottpreis von 25 Schilling je Deckeinsatz angeboten. (siehe HR 1891, S.33)


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 BeitragVerfasst: Mo 29. Feb 2016, 07:19   
Jockey

Registriert: Sa 18. Jul 2015, 06:17
Beiträge: 98
Von der angesprochenen hippologischen Fachpresse ist ein Erzeugnis namentlich in der Hippologischen Revue gewürdigt worden, und zwar die 'Monatshefte des Rennsports'. Sie wurden herausgegeben von Friedrich Nolda und vertrieben durch Carl Rocco's Verlagsbuchhandlung, Leipzig. Anlass der Besprechung war ein Vorschlag in den 'Monatsheften', Winter-Rennbahnen einzurichten, um die in Deutschland lange Pause im Rennbetrieb überbrücken und die daraus erwachsenden Nachteile für die heimischen Galopper ausgleichen zu können. Dieses Ansinnen stieß jedoch auf wenig Zuspruch sowohl bei dem Herausgeber der 'Hippologischen Revue' wie wohl auch beim Union-Klub. Dem periodischen Organ war anscheinend auch keine lange Lebensdauer beschieden, und es scheint auf dem heutigen Buchmarkt, wenn überhaupt, nur äußerst selten aufzutauchen.
Der 'Hippologischen Revue' erging es schließlich auch nicht anders. Nach 1888 setzte sie ihre Veröffentlichungen erst nach einem Jahr im Januar 1890 fort. Der Schwerpunkt des Inhalts hatte sich nun auf Traber und Nachrichten über die österreich-ungarische Vollblutzucht und das dortige Rennwesen verlagert. Am 15.März 1891 musste die Zeitschrift dann ihr Erscheinen einstellen. Als Grund wurde angeführt, dass der bisherige Redakteur Carl Gustav Wrangel "durch die Übernahme der obersten redaktionellen Leitung des 'Sporn' und der 'Sport-Welt' außer Stand gesetzt worden ist, seine Kraft noch weiter der 'Hippologischen Revue' zu widmen und es der unterzeichneten Verlagshandlung (Schickhardt & Ebner, Stuttgart) widerstrebt, einen Wechsel in der Redaktion eintreten zu lassen,.."


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