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Historische Rennbahnen und Rennplätze

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 BeitragVerfasst: Fr 27. Feb 2015, 08:28   
Rennleitung
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Wohnort: Rheinprovinz/Preußen
Sie schreiben vom Rosenberger Reiterverein in Riesenburg. Ist das richtig oder nur ein Schreibfehler. Wo liegt Riesenburg? Ist das Schlesien?

v. Blücher


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 BeitragVerfasst: Fr 27. Feb 2015, 19:36   
Jockey

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Riesenburg (heute Prabuty - Polen) lag in der Provinz Ostpreußen und gehörte zum Verwaltungsbezirk Rosenberg. (Quelle: Henius; Großes Orts- und Verkehrslexikon, Berlin 1928)


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 BeitragVerfasst: Fr 13. Mär 2015, 07:21   
Jockey

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Für die Nutzung des Gothaer Geländes erließ der durchführende Verein folgende Vorschrift:
"Für jedes Pferd, welches in Veranlassung der diesjährigen Rennen (4. und 5.September) auf der hiesigen Rennbahn bewegt werden soll, ist eine Bahnkarte bei dem Herzogl. Stallmeister Herrn Röhrssen hier oder bei dem Bahnaufseher Metz auf dem Boxberg zu lösen und kostet eine solche für die Zeit vom 29.August bis 10.September 20 Mark, für die Zeit vom 1. bis 7.September 10 Mark. An den beiden Renntagen dürfen Pferde nur bis früh 8 Uhr galoppirt werden und wird hierfür ein Bahngeld nicht erhoben. Das Bewegen der Pferde an den andern Tagen darf nur auf der abgegrenzten äußeren Seite der Bahn und nur bis 10 Uhr Vormittags erfolgen. Zuwiderhandelnde und Herren, welche ihre Pferde ohne Bahnkarte auf der Bahn bewegen lassen (ausgeschlossen an den beiden Renntagen) zahlen für jeden einzelnen Fall und jedes Pferd 20 Mark Strafe.
Gotha, den 16.August 1887. Der Vorstand."
Im WRK 1 Woche darauf erschien unter 'Bekanntmachungen' ein Nachtrag:
"Die ausgesetzten Preise gelangen nur dann zur Auszahlung, wenn die in Flach- und Hindernis-Rennen zu durchlaufenden Strecken in höchstens 3 Minuten pro Kilometer zurückgelegt werden.
Gotha, den 20.August 1887. Der Vorstand"


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 BeitragVerfasst: Sa 28. Mär 2015, 07:08   
Jockey

Registriert: Mo 11. Aug 2014, 13:40
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Als neue Orte traten 1888
-Bitterfeld (Sächsisch-Thüringischer Reiter- und Pferdezuchtverein) sowie
- Nieder Görsdorf (Brandenburg) auf den Plan.
Einige Bahnen ließen sich auch näher lokalisieren, so
- Elberfeld-Barmen: Gut Buchenhofen
- Frankfurt (Brandenburg): Kunersdorfer Feld
- Krefeld: Wiese an der Hüttener Allee
- Mülheim: in der Nähe des Bergisch-Märkischen Bahnhofs
Über Hoppegarten erfahren wir, dass es im nämlichen Jahr "telephonische Verbindung erhalten (hat); es wird jedoch besonders darauf hingewiesen, dass telephonische Nennungen nicht gemacht werden dürfen."
Bemerkenswert ist auch eine staatliche Zuschussform, die über die einzelnen ausrichtenden Vereine abgewickelt wurden:
"Laut Reskript des Herrn Ministers für Landwirthschaft, Domänen und Forsten sind die für das laufende Jahr verfügbaren Graditzer Gestütspreise im Betrage von zusammen 78000 Mark wie folgt vertheilt worden.
Es erhalten die Rennplätze:
Berlin (Hoppegarten) 39600 Mark
Hannover 10000 Mark
Hamburg 6000 Mark
Charlottenburg (Verein für Hinderniss-Rennen) 4000 Mark
Leipzig 4000 Mark
Frankfurt a. M. 2500 Mark
Breslau 2000 Mark
Doberan 2000 Mark
Gotha 2000 Mark
Cassel (Hessischer Reiter-Verein) 1500 Mark
Königsberg 1500 Mark
Magdeburg (Sächs.-Thür. Reiter- und Pferdezucht-Verein) 1500 Mark
Neuss (Neusser Reiter-Verein) 1000 Mark
Pasewalk (Pasewalker Reiter-Verein) 1000 Mark"
lässt sich der Wochen-Renn-Kalender 1888 vernehmen.
Die Preise durften nur für in Deutschland geborene oder im Jahre der Geburt mit der Mutter nach Deutschland eingeführte Pferde und sollten gesondert und ungeschmälert, nicht in Verbindung mit den Rennpreisen ausgezahlt werden und galten nur für Gewinner eines Rennens.
Die obige Aufstellung gibt auch eine Rangliste über die Einstufung der Bedeutung der verschiedenen Rennorte wieder.


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 BeitragVerfasst: Di 31. Mär 2015, 19:18   
Rennleitung

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@ deadline2
steht da ein bisschen mehr über die Bahn in Bitterfeld z.B. wo die war?

abisira


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 BeitragVerfasst: Mo 3. Aug 2015, 07:02   
Jockey

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Im Rennsportalbum 1892 wird die 1891 fertig gestellte Bahn von Groß-Borstel in Wort und Bild vorgestellt.
Sie entstand auf Betreiben von Gustav Beit und Wilhelm Amsinck, dem Hamburger Stadtsyndikus. Angelegt war sie an der Eppendorfer Landstraße, angelehnt an einen Nadelwald. Der Kurs hatte einen Umfang von 1870 m, in der Breite von mehr als 20 m. Im Buch heißt es: "Der Einlauf ist 500 Meter lang und geht so allmählig in die kurze Seite über." ..."Neben der Flachbahn ist die Hürdenbahn gelegen. Die Steeple-Chase Bahn führt durch das Innere des Geländes in geraden, übersichtlichen Linien, die verhältnissmäßig nur wenig Drehungen und Biegungen aufweisen. Sie hat eine Anzahl guter und fairer Sprünge," .."Der Boden der Bahn, dessen Neigung zur Tiefe eingesenkte Drainage-Röhren und Abflussgräben bekämpfen, ist mit wohlgepflegten Rasenflächen bedeckt.
Ganz ausgezeichnet lässt sich die Bahn von der architektonisch schön ausgeführten Tribüne überblicken, die, sanft aufsteigend, die weite Ebene beherrscht. Nach vorn zu mit Logen und Bänken versehen, birgt sie in der Rückseite eine ganze Flucht von Zimmern für den technischen Betrieb wie Waage, Bureuaux, Kasse u. s. w. Was aber in der Anlage besonders hervorzuheben ist, ist der breite Raum zwischen der Tribüne und der Umfassungsbarrière des Geläufes, der einen so imposanten ersten Platz ermöglicht, wie ihn keine andere deutsche Rennbahn aufzuweisen hat." Die Abbildung im Album zeigt zwei Tribünen. Das Hauptgebäude zieren zwei massive Türme und rechtsseits ein Zwiebeltürmchen. Die links davon stehende Nebentribüne ist nicht überdacht und soweit erkennbar für Stehplätze eingerichtet. Der Anordnung zufolge muss es sich ähnlich wie das Horner Gelände um eine Rechtsbahn gehandelt haben.


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 BeitragVerfasst: Di 11. Aug 2015, 07:46   
Jockey

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Beiträge: 97
Im Artikel über den verstorbenen Landesherrn ist im Rennsportalbum 1893 auch einiges zur Rennbahn in Gotha zu entnehmen. Kurz vor der geplanten Eröffnung der Bahn im Herbst 1878 ging Starkregen hernieder und setzte das Geläuf unter Wasser, so dass Graf Lehndorff riet, die Einweihung auf das nächste Jahr zu verschieben. Statt der vorgesehenen 2 Flachrenntage wurde dann aber kurzerhand ein kleineres Hindernismeeting ausgeschrieben, und der Kurs am Boxberg konnte pünktlich am 22.September 1878 seine Premiere feiern. Gotha wurde u. a. für wichtig eingeschätzt, um als brückenartige Station eine Anbindung an den rennsportlich noch nicht so erschlossenen Süden Deutschlands zu bilden. Die Abbildung zeigt eine 2-geschossige Tribüne und Waagegebäude auf ziemlich baum- und schmuckloser Ebene.
Auf den nächsten Seiten wird die Charlottenburger Bahn in Augenschein genommen. Die Hindernisbahn von Westend öffnete am 14.April 1884 ihre Tore. Es "ahnte damals wohl Niemand", heißt es im Album 1893, " wie auf dem Flugsand, der an dem kalten und unerfreulichen Eröffnungstage um Ross und Reiter wirbelte, wie auf dieser weiten öden Bahn nach wenigen Jahren schon ein deutsches Auteuil entstehen werde,".."War bis dahin Hannover mehr oder weniger die Centrale des deutschen Offizier-Sports gewesen, so vollzog sich jetzt ein energischer Ruck nach Osten hin, und von dem Augenblicke an, wo Westends Hindernisbahn eröffnet wurde, traten Hannover und die großen Steeple-Chase-Bahnen Westfalens wohl für immer in den Hintergrund."
Zwei einschneidende Veränderungen ergaben sich. Zum einen eine ausgesprochene Zentralisation des Hindernissports in Berlin, und zum anderen trug Charlottenburg zu einer gegenläufigen dezentralen Ausrichtung bei, zur Gründung vieler kleiner Rennvereine, die sich diesem Metier widmeten.
Das Rennprogramm wurde ausgebaut, so dass Charlottenburg bald zur am stärksten beanspruchten Bahn in ganz Deutschland emporstieg. 1889 veranstaltete der betreibende Verein für Hindernisrennen allein 41 Renntage mit 243 Wettbewerben. Die Zahl sank in den Folgejahren wieder, weil die kurzen Flachrennen aus dem Programm genommen wurden. Die Hürdenrennen wurden zuerst links herum gelaufen. Als Trainingsbahn stand auch die Vogelwiese links der Berlin-Spandauer Chaussee zur Verfügung.
Die Anlage bot den Besuchern nicht allzu viel Komfort, denn der Verein hatte das Gelände nur in Pacht, weswegen keine größeren Bauten errrichtet wurden. Dennoch war Charlottenburg die populärste Bahn in Berlin. Nach Auslaufen des Pachtvertrags zog der Verein 1894 auf die Anlage in Karlshorst um.


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 BeitragVerfasst: Di 18. Aug 2015, 06:14   
Jockey

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Auf der Suche nach einem Ersatz für Charlottenburg fiel die Wahl auf Karlshorst. Den Verein für Hindernissport überzeugte nicht nur der Kaufpreis, sondern auch, "dass sich das waldumsäumte Gelände zu Carlshorst am besten zur Anlage der neuen Bahn eignen würde. Die vorhandenen Gräben und der das Terrain an der Eisenbahn-Seite durchfließende Bach erleichterten die Herstellung fairer Flachsprünge; auf dem humösen Sande, der sich mit dem massenhaft vorhandenen Torf leicht mischen ließ, musste sich eine vorzügliche Grasnarbe für die Flachbahn erzielen lassen." So urteilte die Redaktion des Rennsportalbums von 1894. Sie hebt auch die günstige Verkehrsanbindung hervor mit Bahn, Anfahrt mit dem Wagen über Treptow oder Rummelsburg oder mit einem Spreedampfer bis Tabberts Waldschlösschen. Der überwältigende Besucherandrang am Eröffnungstag im Mai 1894 sollte der Erwartung Recht geben.
Beim Anlegen der Bahn entstanden als Flachsprünge Erlengraben, tiefer Bach, Wiesenbach, Eisenbahnbach und Eisenbahngraben. Einige Gräben wurden durch Koppelricks sowie durch Strauchwerk ergänzt. Als schwierigster galt der Carlshorster Sprung mit fester Lattenwand. Außerdem gab es einen Steinwall und einen Wallheckensprung. Die Flachbahn war 2500 m lang und wies eine großzügige Linienführung und einen weiten Auslauf auf.
An Baulichkeiten war der Kurs mit einem Tribünenensemble aus Holz sowie Richter- und Kaiserpavillon versehen. Neben den typischen Waageeinrichtungen waren in den Räumlichkeiten auch modernste Einrichtungen wie Telegraf und Telefon sowie für medizinische Versorgung untergebracht. Teehaus, Totalisator-Gebäude und Musikpavillon rundeten das Areal ab. Hinter den Tribünen mit ihren damals unvermeidlichen Spitztürmchen befand sich ein kleiner See.


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 BeitragVerfasst: Fr 21. Aug 2015, 07:00   
Jockey

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Im Kapitel 'Momentbilder' des Rennsportalbums von 1894 wird auch ein Rundgang durch die Trainier-Anstalten, wie sie damals genannt wurden, die sich am bedeutendsten deutschen Rennplatz Hoppegarten angesiedelt hatten, veranstaltet.
Oben an der Idea-Bahn befanden sich die Stallungen des Fürsten zu Fürstenberg. Kurz vor dem Bahnhof lag das frühere Oehlschläger'sche Grundstück, das mittlerweile Hauptmann von Blottnitz gekauft hatte. Hier trainierte H. Brown. Neben dem Logierhaus hatte der Wirt Micha die Quartiere erbaut, die vom Dixon'schen Lot bevölkert wurden. Daran grenzte das alte Kelly'sche Gelände, deren Ställe von Rittmeister von Suermondts Pferden eingenommen wurden, im folgenden Jahr aber Oppenheims Vollblüter beherbergten. Hieran schloss sich das Etablissement, in dem W. Dean u. a. für Rechnung von Freiherr von Münchhausen wirkte. Im Inneren der Rennbahn erstreckte sich die alte Anlage des Grafen Henckel. Am Abzweig des Bollendorfer Weges von der Dahlwitzer Straße hatte die Villa von Jockey G. Sopp ihren Standort. Auf deren Anwesen hatte das umfangreiche Vollblutlot des Bankiers von Bleichröder Unterkunft gefunden. Am anderen Ende der Arbeitsbahn hatte sich Halliwell und G. Johnson angebaut. Unweit davon auf dem Gutshof von Herrn Schön hatte Charles Planner eine Anzahl Boxen gemietet. Frisch eingerichtete Unterstände am Ende der neuen Bahn an der Frankfurter Chaussee bezog Fritz Althof, so dass praktisch alle freien Plätze, an denen Training möglich war, nun genutzt waren.
Eine ganze Reihe von Trainern wie Long, Sear, Solloway, Germann, Bié, hatten sich im nahen Dahlwitz angesiedelt. Etwas weiter entfernt in Mönchsheim bei Dahlwitz besaß Herr von Tepper-Laski eine Villa mit großen Stallungen, und auch Trainer Daley war dort im Prospekthaus-Stall tätig. Sein Kollege R. Johnson hatte sein Domizil in Neuenhagen nicht allzu weit von den Arbeitsbahnen aufgeschlagen.
Wie die Hoppegartener Bahn gepflegt wurde, wird auch im Album beschrieben. "Bleibt eine längere Zeit der Regen aus, so wird die über die ganze Bahn gelegte künstliche Bewässerung in Bewegung gesetzt und von den frühesten Morgenstunden an bis zum späten Abend ergießen mehr als dreißig Schläuche, die von Zeit zu Zeit weiter gerückt werden, ihren Sprühregen auf das Geläuf. An den Galoppiertagen erscheinen nach dem Verschwinden der letzten Pferde die Stopfer-Kolonnen auf dem Geläuf, um die Löcher zu beseitigen und nach ihnen geht eine schwere Walze über die Bahn, um alle Unebenheiten vollständig auszugleichen." Oberinspektor Heidemann war verantwortlich für die Instandhaltung aller Bahnen.


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 BeitragVerfasst: Fr 21. Aug 2015, 07:19   
Rennleitung
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Der oben angesprochene Derby-Sieger Trachenberg hat nicht nur über seinen Sohn Hannibal sondern auch über seine Tochter Cannae (rechte Schwester von Hannibal) bleibende Spuren in der Zucht hinterlassen (beim Besitzer ist wohl vom Gymnasium zu viel vom 2. Punischen Krieg hängen geblieben). Die Linie der Cannae ist eine der ältesten deutschen Linien überhaupt und erst vor ein paar Tagen belegte die Sea Calisi aus dieser Linie in Yorkshire Oaks den 3. Platz.
Trachenbergs Derby-Sieg war äußerst knapp. Im eigentlichen Rennen lief er im toten Rennen mit dem Ösi Taurus ein. Da sich die Besitzer nicht einigen konnten, wurde 1 Stunde später ein Entscheidungsrennen über 2600m (!!!) angesetzt, das Trachenberg dann überlegen gewann. Man kann also von einem ziemlich einmaligen 5000m Derby sprechen. Der Verlierer und Favorit Taurus hinterlies keinerlei Spuren in der Zucht.

_________________
Deutsches Derby 2016
Bilder der Derby-Teilnehmer 2016


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 BeitragVerfasst: Di 25. Aug 2015, 06:01   
Jockey

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Im Album 1895 wurde auf die Geschichte Hoppegartens eingegangen. Das Anwesen gehörte ursprünglich Herrn Treskow-Dahlwitz, und es wurde 1874 vom Union-Klub erworben, als die Rennbahn bereits einige Zeit in Betrieb war. Sie hatte den alten Rennplatz auf dem Tempelhofer Feld abgelöst, der an Besucherkomfort und einladender Umgebung sehr zu wünschen übrig ließ. Begünstigt wurde die Entscheidung für den neuen Standort als erste Berliner Turfadresse gegenüber Jungfernheide, Charlottenburg oder Lichterfelde durch die bereits Anfang der 1860er Jahre erfolgte Ansiedlung des Union-Gestüts in Hoppegarten.
Bis zum ersten Start auf dem neuen Kurs, für den sich die Flagge erstmals am 9.Oktober 1867 senkte, mussten noch tüchtige Umbauarbeiten vorgenommen werden. Im Album-Artikel wird dies so geschildert: "Das Planum der verschiedenen Bahnen, die Hindernisbahn nicht ausgenommen, wurde Zoll für Zoll umgeschaufelt, aufgetragen und abgekämmt und die eigentliche Rennbahn mit einer Röhrenleitung eingefasst, damit bei eintretender Trockenheit der Rasen bewässert werden konnte." Geländeunebenheiten der Flachbahn mussten ausgeglichen werden, eine Zweijährigen-Bahn wurde angelegt und Hindernisse für den Steeplerkurs geschaffen.
Später wurden die alten Bewässerungsanlagen erneuert und das Grundstück mit insgesamt 1200 Morgen erweitert, so dass Sattelplatz und Trainingsbahnen eingerichtet werden konnten. Modernere Tribünenbauten wurden errichtet. Jockeys und Trainer bauten sich an, und Hoppegarten stieg zur absoluten Zentrale des deutschen Galoppsports auf, vergleichbar mit Newmarket in England und Chantilly in Frankreich.


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 BeitragVerfasst: Fr 2. Okt 2015, 06:58   
Jockey

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Die Schriftleitung der Sport-Welt unternahm 1897 auch einen Streifzug durch den 'Sport in den Provinzen'. Begonnen wurde er in Dresden, dessen Flachrenntag im Mai jedoch unter der am selben Tag veranstaltenden sächsischen Konkurrenz von Leipzig litt, das mit einträglichen Ausschreibungen größere Felder und bessere Pferde anlockte. Allerdings bediente der Dresdener Rennverein unter seinem Patronat auch eine weitere Rennstätte in Chemnitz. Gleich nach der Derbywoche in Hamburg öffnete die Kleine Bult in Hannover ihre Tore für das Sommermeeting, das aber nur wenig Zuspruch von teilnehmenden Ställen erhielt, anders als im September um die zweitägige Austragung mit dem Hauptereignis des Legers. Im Juli veranstaltete als nächstes Breslau zwei Renntage, Höhepunkt darin der Preis von Breslau, bei dem es 28000 Mark zu gewinnen gab. Ende Juli war Doberan an der Reihe und einen Tag später trat Travemünde auf den Plan. Die Unkosten für die Veranstaltung waren nicht unbeträchtlich, da der Verein für die Renntage eine auf Kähnen ruhende Brücke über die Trave herstellen musste, um den Besucherstrom zum Platz auf dem Priwall und wieder zurück zu bewerkstelligen. Darauf folgten die Wettbewerbe auf der Boxberger Bahn von Gotha, die als 'schönster Rennplatz Deutschlands' apostrophiert wurde. Einen Tag vor Baden-Baden hielt Frankfurt im August sein Meeting ab. Frisch formiert hatte sich im Sommer der Kölner Renn-Verein, er kehrte nach langer Zeit wieder in den Kreis der Rennveranstalter zurück. Eine neue Bahn war in Weidenpesch entstanden mit langen Linien und einem Platz für Volksspiele hinter neben den beiden Führringen sowie einer Bahnstation als bequemer Zubringer.
Gesondert wurden die Plätze Bayerns und Württembergs aufgesucht. Neben Stuttgart-Weil und Regensburg hatte sich der Turf in München mit neuer Anlage in Riem neu belebt, dessen mehrsträngige und verschlungene Bahnführung gegenüber der in Köln jedoch etwas verwirrend wirkt.


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 BeitragVerfasst: Fr 9. Okt 2015, 06:25   
Jockey

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Der Artikel im Rennsport-Album zu 1898 über Baden-Baden trägt den Untertitel '1858 - 1873 - 1898'. Nachdem über dreieinviertel Seiten die Haute Volaute und ihr Gewese alleruntänigst beschwurbelt wurde, geruhte der Autor, etwas über den Werdegang des Rennplatzes kund zu tun. Er berief sich auf die Voglerschen 'Blätter über Pferde und Jagd', aus denen passagenweise zitiert wurde.
Baden schickte sich in 50er Jahren des 19.Jahrhunderts an, das fashionableste Bad der ganzen Welt zu werden. Edouard Benazet war Pächter der Spielbank und wollte ein zusätzliches Zugmittel schaffen und einen Rennplatz mit internationalem Flair einrichten lassen. Dazu bedurfte es aber eines Antrags, den er an die maßgeblichen Persönlichkeiten des Sports in Norddeutschland richtete. Die schroffe Antwort darauf lautete: "Mit Spielpächtern unterhandle man nichts." Also wandte sich Benazet an den Jockey-Club in Paris, der wohlwollend die Errichtung einer Außenstelle für den französischen Turf unterstützte.
Die Bahn wurde am 5.September 1858 eröffnet. Sie war ursprünglich an der Ostseite vom Mühlbach begrenzt. An Baulichkeiten wies sie drei Tribünen auf, "rechts vom Siegespfahl ein Pavillon für die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften, links davon ein ähnlicher für den Vorsteher, die Sportsmen, Beamten, die Waage,(...) noch weiter links die große Zuschauer-Tribüne, in welcher unten die Restauration, im ersten Stock ein großer mit Fenstern umgebener Salon, mit terrassenförmigem Balkon davor, wie auch die Dächer terrassenförmig zu Plätzen eingerichtet waren." Links hinter der Tribüne befanden sich Stallungen, Plätze und Wege waren mit Kies bedeckt. Kostenpunkt der Anlage waren 300000 Francs, ein Aufwand, der nirgendwo sonst in Deutschland für den Rennsport betrieben wurde. Bis zum Ausbruch des deutsch-französischen Krieges waren die französischen Ställe an Zahl und Erfolgen in Baden-Baden dominant. Der Ort erlebte zur Saison einen regelrechten Besucheransturm aus Paris.
Nach 1870 blieben die französischen Quartiere weg, und die Aufhebung des Spielcasinos 1872 stürzten den Kurort und auch den Rennplatz in eine Krise. Zwar suchten nun verstärkt deutsche Besitzer mit ihren Pferden die Stätte auf, doch erst die Gründung des Rennvereins auf Aktien konnte Baden-Baden als anspruchsvollen Rennplatz mit einem finanziell gut ausgestatteten Meetingprogramm erhalten.


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 BeitragVerfasst: Mo 2. Nov 2015, 20:53   
Jockey

Registriert: Sa 18. Jul 2015, 06:17
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Im Jahres-Rennkalender für 1899 werden m. E. bislang noch nicht genannte Austragungsorte aufgeführt:
Ort - Provinz - Veranstalter- Renntag - Flachrennen - Rennen über Sprünge
ALLENSTEIN - Ostpreußen - Osteroder Renn-Verein - 11.6. - - 5
BURGSTEINFURT- Nordrhein-Westfalen - Renn-Komitee - 18.6. - 1 - 3
COTTBUS - Brandenburg - Lausitzer Renn-Verein - 18.6. - 1 - 2
DELLWIG-GERSCHEDE - Nordrhein-Westfalen - Dellwig-Gerscheder Renn-Verein - 29.6. - - 4
ELMSHORN - Schleswig-Holsten - Elmshorner Renn-Verein - 4.6. - 1 - 4
24.9 - 3 - 3
FREIBURG - Baden-Württemberg - Freiburger Renn-Verein - 8.10. - - 4
GERA - Thüringen - Sächsisch-Thüringischer Reiter- und Pferdezucht-Verein - 8.10. - - 5
HÜSTEN - Nordrhein-Westfalen - Hüstener Renn-Verein - 10.9. - 1 - 4
KARLSRUHE - Baden-Württemberg - Karlsruher Renn-Verein - 7.5. - 1 - 4
KLEVE - Nordrhein-Westfalen - Renn-Komitee - 18.6. - 1 - 2
LAUENBURG - Schleswig-Holstein - Lauenburger Renn-Verein - 14.5. - 2 - 3
6.8. - 1 - 4
NORDERNEY - Niedersachsen - Norderneyer Renn-Verein - 23.7. - 2 - 3
NÜRNBERG - Bayern - Nürnberger Renn-Verein - 28.5. - 2 - 4
OSTERODE - Ostpreußen - Renn-Komitee - 28.5. - 1 - 4
RECKLINGHAUSEN - Nordrhein-Westfalen - Renn-Komitee - 16.7. - - 4
REGENSBURG - Bayern - Regensburger Renn-Verein - 7.5. - 3 - 3
9.5. - 4 - 2
STEELE - Nordrhein-Westfalen - Steeler Renn-Verein - 3.9. - - 5
STOPPENBERG - Nordrhein-Westfalen - Renn-Verein Stoppenberg - 27.8. - 1 - 3
WILLSTÄTT - Baden-Württemberg - Renn-Komitee - 16.7. - - 2


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 BeitragVerfasst: Di 3. Nov 2015, 13:01   
Rennleitung
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Registriert: So 31. Okt 2010, 22:29
Beiträge: 4828
Wohnort: Rheinprovinz/Preußen
Über die Rennbahn in Regensburg bin ich mal in einem Rennkalender in den 50ern gestolpert. Von den anderen Bahnen weiß ich oder habe eine dunkle Ahnung ....

Aber stand da wirklich "Nordrhein-Westfalen" oder "Niedersachsen"....*schmunzel. Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube ;-)

In Kottbus hat es 1907 ein Querfeldeinrennen über 20.000m über nicht gezeigtes Terrain gegeben. 15.000 Mark war die Dotierung. Ich glaube das entsprach in etwa dem dreifachen Sold eines Leutnants! Ich habe das Rennen nur einmal gefunden, allerdings fehlen mir da auch noch Rennkalender.

http://www.galopp-sieger.de/galoppsiege ... 1&smonb=12

v. Blücher


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